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Magazinstraße

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Architektur ist Geschichte.

Architektur ist das größte und lebendigste Geschichtsmuseum. An jeder Ecke stehen Zeugen der Zeit. Nirgends spricht man mehr darüber als in Berlin. Wie wir mit den Zeitzeugen umgehen, sagt auch etwas über unsere Kultur. Und so bemühen wir uns nicht nur um Erhaltung von Wohn- und Arbeitsraum, sondern um die Wahrung von Identität.

Ein schönes Beispiel für vernünftigen Umgang mit Geschichte ist die Restaurierung des eklektizistischen Gebäudekomplexes Magazinstraße 15/16 im historischen Zentrum Berlins. Eklektismus bezeichnet hier die Vereinigung künstlerischer Stilmittel unterschiedlicher Architektur-Epochen innerhalb eines Bauwerks. In der Magazinstraße ist es gelungen, geschichtlichen Anspruch und neuzeitliche Orientierung harmonisch miteinander zu verbinden.

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Albrecht der Bär.

Der Askanierfürst erhielt 1134 die Nordmark als Lehen. Um den Raum um das heutige Berlins zu entwickeln, holte er Leute ins Land, das eigentlich nur aus Heide, Sumpf und Wald bestand. In diesem unwirtlichen Gebiet lebten bis dahin nur wenige friedliche Slawen.

Zwei neue Siedlungen an der Spreefurt - Berlin und Coelln - wurden schnell wichtiger Handels-, Rast- und Umschlagsplatz für die gen Osten strebenden Siedler, denen naturgemäß die Kaufleute folgten. Zollfreiheit und Niederlagsrecht sorgten für einen raschen Aufschwung.

Damals wie heute sorgten die Zuwanderer aus ganz Europa für eine dynamische Entwicklung. Ohne die neuen Impulse war und ist das Leben in der Stadt des Bärs nicht vorstellbar.

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Verbundene Stadt.

Berlin war bis Anfang des 14. Jahrhunderts geteilt. Nach der Vereinigung von Berlin und Coelln errichtete man ein gemeinsames Rathaus auf der Langen Brücke. Berlin hat also alles schon einmal erlebt. Auch damals gab es viele Turbulenzen. Es gab Ärger mit adligen Raubrittern, 1334 die Festsetzung einer Polizeistunde für die Wirtshäuser, 1345 erster Landtag der märkischen Städte und Rittergüter, 1359 die Mitgliedschaft in der Hanse, 1376 und 1380 verheerende Brände, die beide Städtchen fast zerstörten.

1486 wird Berlin kurfürstliche Residenz, und Anfang des 17. Jahrhunderts zählt die Stadt bereits 12.000 Einwohner. Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind es allerdings nur noch knappe 6.000. 1701 avanciert Berlin zur königlichen Residenzstadt, und 1740 bis 1786, unter Friedrich II., erlangte die preußische Hauptstadt gar europäische Geltung. Schon zu dieser Zeit wurde "Unter den Linden" flaniert und man labte sich an einem Getränk namens "Berliner Weiße".

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Wiederholte Geschichte.

1862 entwickelte der Stadtbaurat James Hobrecht ein langfristiges Konzept für die städtische Bebauung. Mit breiten Alleen, großflächiger Parzellierung, auflockernden Grünflächen sowie prächtigen Vorder- und bescheideneren Hinterhäusern sollte ein Zusammenleben von Arm und Reich in humanen Wohnverhältnissen erreicht werden. Sein Plan ging nicht auf, vielmehr fürderte er die Bodenspekulation und führte zu enger und hoher Bebauung des teuren Baulandes.

Der industrielle Aufbruch unter Kaiser Wilhelm führte auch zum Abbruch: Ganze Straßenzüge wurden verändert, Stadttore und Wasserläufe beseitigt, wertvolle Bauten wie der Schinkelsche Dom einfach abgerissen und durch Monumentalbauten ersetzt. Auch hier zeigte sich Architektur als Ausdruck von Zeitgeist und Selbstverständnis.

1920 wurde Berlin mit umliegenden kleineren Städten, Landgemeinden und Gutsbezirken zur neuen Stadt-Gemeinde Groß-Berlin vereinigt und zählte bereits 3,9 Millionen Einwohner.

Nach 1945 begann die für Berlin charakteristische Verbindung von Aufbruch und Abbruch erneut. In den östlichen Stadtteilen setzte man dabei mehr auf Neugestaltung denn auf Wiederaufbau, wobei ein Großteil der historischen Bausubstanz sich selbst überlassen blieb und dem Verfall preisgegeben wurde.

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Magazinstraße 15/16.

Behutsam wird jetzt an der Wiederherstellung und der Egalisierung der Bausünden gearbeitet. Ein herausragendes Beispiel für diese Zeit der Restauration und Neuentdeckung Alt-Berliner Werte ist der Gebäudekomplex Magazinstraße 15/16.

Das mehrflügelige Gebäude, 1904 vom Bauherren Otto Schloß errichtet, dominiert das Dreieck zwischen Magazinstraße und abzweigender Schillerstraße. Als architektonischer Zeitzeuge steht der Bau mit seiner vielfältigen Ornamentik unter Denkmalschutz.

Im Vordergrund steht die Sanierung der Fassade mit dem für das Haus so typischen Cottaer Sandsteins aus der Umgebung von Dresden. Die aufwendige Restaurierung der Glasmosaiken mit traditionellen Zunftzeichen an der Innenhoffassade ist Bewahrung und Wiederherstellung einer Handwerkskunstgeschichte.

Eine erfolgreiche Revitalisierung des Hauses für langfristige und zeitgerechte Nutzung setzt die völlige Entkernung des Gebäudes und die Neugestaltung der Raum- und Flächenaufteilung voraus, wobei als essentielle Zielvorgabe die harmonische Verschmelzung historischer Fassaden mit zeitgenössischer Innenarchitektur definiert wurde.

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(Objektabb./Fassade, Illustration)

Hauptfassade und Erdgeschosszone wurden bereits 1928 erstmals umgestaltet. Fenster wurden hinzugefügt und Dachfenster verändert. Nach 1945 wurden weitere Ausbaumaßnahmen durchgeführt. Der Bauschmuck ist nur noch zum Teil vorhanden, wobei die reiche Ornamentik der Fassaden zum Innenhof überwiegend gut erhalten geblieben ist. Auch das Haupttreppenhaus im Zentralbau ist weitgehend original erhalten.

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Wandel und Handel.

Die Magazinstraße 15/16 wurde von Anbeginn gewerblich genutzt. Ursprünglich als grafische Anstalt errichtet, beherbergte es seit 1907 weitere Unternehmen wie eine Krawattenmanufaktur, eine Schürzenfabrik, eine Papierhandlung und einen Ledervertrieb.

Auch Arthur Salomons war damals bereits Mieter mit seiner Wäschekonfektion. Er erwarb Gebäude und Grundstück 1918 bei einer Zwangsversteigerung. Der ursprüngliche Eigentümer, Otto Schloß, war überschuldet und konnte zuletzt nicht einmal der polizeilichen Verfügung zur Instandsetzung des Bürgersteigs nachkommen.

Zu DDR-Zeiten residierte in der Magazinstraße 15/16 die Staatsdruckerei.

Das Nutzungskonzept der Grundstücksgesellschaft Magazinstraße GbR, Berlin, einer 100prozentigen Tochter der K@llmann GmbH, ist die Bereitstellung von rund 10.500 Quadratmeter Büroflächen, wobei im Souterrain weitere ca. 1.200 Quadratmeter Archiv- und Lagerflächen hinzukommen. Ebenfalls im Souterrain untergebracht ist die neu geschaffene Tiefgarage mit 41 PKW-Einstellplätzen. Im Außenbereich stehen weitere Parkplätze zur Verfügung.

Einen reizvollen Kontrast zwischen alt und neu spiegelt auch die Ausstattung der zukünftig insgesamt sechs Mietbereiche je Etage wider. Die Gestaltung der flexiblen Mieteinheiten korrespondiert mit den Leistungsmerkmalen der Ausstattungsdetails, die den gehobenen Anforderungen an ein zukunftsorientiertes Bürogebäude in gleicher Weise entsprechen wie ein nach modernsten Erkenntnissen völlig neu konzipiertes Büroobjekt.

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Arbeit und Vergnügen.

Das Gestaltungskonzept der Düsseldorfer Architekten Rhode, Kellermann, Wawrowsky bezieht die detailgetreue Restaurierung der historischen Fassaden ebenso ein wie den vorangestellten Anspruch, ein funktionales Bürohaus zu realisieren, dessen Räumlichkeiten die Geschäftsinhalte und Identität der späteren Nutzer zum Ausdruck kommen lassen.

Der Berliner Hinterhof der Magazinstraße 15/16 wird neu entdeckt und bietet Platz und Ambiente für eine attraktive, in ein künstlerisches Gestaltungskonzept eingebundene Ruhezone, die inmitten des Arbeitsraumes rundum einen Ort kreativer Entspannung schafft.

Repräsentativ zeigt sich der zweigeschossige Haupteingangsbereich, dessen lichtdurchflutete Vorhalle eine Atmosphäre freundlicher Eleganz ausstrahlt. Die klare, fast strenge Gliederung der Fassade mit ihren stilsicher eingefügten Jugendstil-Elementen verheißt in klassischer Manier bereits von außen, was die stilsichere Gestaltung des Foyers, der Treppenhäuser und Liftbereiche souverän bestätigt: gediegene, unaufdringliche Eleganz mit einer ganz eigenständigen Note.

Verkehr im Fluss.

Die gute Anbindung an das Nahverkehrsnetz eröffnet den direkten Zugang zu allen Zielen in und um Berlin. Die S-Bahnhöfe und Verkehrsknotenpunkte Alexanderplatz und Jannowitzbrücke sowie die U-Bahn-Stationen Alexanderplatz, Schillingstraße, Jannowitzbrücke und Klosterstraße liegen alle in der Nähe.

Der Hauptbahnhof - ab Mitte 1997 auch ICE-Haltepunkt - ist nur etwa zwei Kilometer entfernt.

Mit dem Auto erreicht man den Standort über eine der beiden Magistralen Karl-Marx-Allee und Alexanderstraße, die durch die Magazinstraße miteinander verbunden sind.

Die exponierte Verkehrslage ergänzt sich mit dem breitgefücheten Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot des Alexanderplatzes zu einer Infrastruktur par excellence.

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Mini-Multi-Maxi.

Die neue Erschließung des Bürokomplexes ermöglicht eine funktionale und flexible Aufteilung in ganz unterschiedlich große Mieteinheiten mit separaten Zugängen und eigenen Treppenhausbereichen.

In den sechs Geschossen ist ein Flächensplitting in jeweils bis zu sechs unabhängigen Einheiten möglich. Insgesamt 34 Büroeinheiten sind anmietbar, die kleinste davon umfasst rund 200 Quadratmeter. Die Raumaufteilung ist flexibel konzipiert und kann nach individuellen Mieterwünschen verändert werden.

Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss gibt es großzügige Konferenzräume, die individuell geteilt werden können.

Zum Innenhof wird im Erdgeschoss ein modernes Bistrorant angegliedert, das Mietern und Gästen offensteht.

Versorgung und personelle Ausstattung erfolgt wie die gesamte Gebäudebewirtschaftung durch das komplette Facility Management der K@llmann GmbH.

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Kunst im Bau.

In einen rhythmischen Wechsel von historischer Fassade und zeitgenössischer Innenarchitektur ist ein wettbewerbsprämiertes Kunstkonzept eingeschlossen, das die unterschiedlichen Architekturzonen des Gebäudes prägt und betont.

Das große Foyer wird durch drei raumgreifende Skulpturen in unterschiedlichen Tropfenformen als großzügige Eingangssituation definiert.

Das Foyer vor den Aufzügen besitzt einen eher intimen Charakter und erhielt sein zurückhaltendes künstlerisches Moment in Form eines scheinbar klassischen, real jedoch höchst innovativen "Tafelbildes", dessen außergewöhnliches Konzept dem Leser und Betrachter zur Entdeckung vorbehalten bleiben soll.

Der Innenhof besitzt einen völlig anderen Charakter. Mit seiner reichen Bauplastik, den farbigen Zunftwappen und Schlusssteinen symbolisiert er Herz und kommunikatives Zentrum des gesamten Gebäudekomplexes. Hier werden als konzeptionelle Skulptur sieben klassisch gestaltete Gartenbänke in unterschiedlichen Größen kreisfürmig aufgestellt.

Berlin-Mitte erhält mit der Magazinstraße 15/16 ein weiteres Architektur-Juwel zurück. Geschichte wurde hier nicht nacherzählt, sondern neu geschrieben. Sicherlich wird es bald immer öfter heißen: "Haben Sie sich eigentlich schon die Magazinstraße 15/16 angesehn?".