Zeitungsbericht


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Achim Maas hält es mit allem und hat vor allem ein Herz für Kinder.

Achim Maas sitzt der Schalk im Nacken. Zur Musik sei er über Mutters Geburtstagsfeierklampfenspiel und Onkel Ernsts weinseligen Tenor gekommen, verkündet seine Homepage. Und auch Live ist der diplomierte Musikpädagoge immer für einen Scherz gut. Beim Singen nimmt er sogar „schlimme Wörter“ in den Mund. Wenn es der Dichter so will. Einem Gläschen Rotwein sei er nicht abgeneigt, gestehe er. Es wäre aber auch ein Anachronismus würde der Mann, dessen Programm „Liebe, Triebe, Suff und Tod“ heißt, abstinent leben.

Während seines Programms greift er allerdings zum Wasserglas, zumal das Auto vor der Tür steht. Maas hat, es ist noch nicht lange her, den schwedischen Dichter Carl Michael Bellman für sich neu entdeckt und singt nun in eigenen Arrangements dessen Lieder vom Lieben und Trinken und anderen überaus natürlichen Dingen des Lebens. Vor ihm hatte das schon einmal auf deutsch Manfred Krug getan. Und damals wie heute haben diese Lieder aus dem 18. Jahrhundert nichts von ihrer Frische eingebüßt. Mit ihnen eroberte sich Maas ein ganz spezielles Publikum auf dem Potsdamer Theaterschiff, aber Liebe, Suff und Tod sind eigentlich an keinen bestimmten Ort gebunden, eher an ein Publikum, dass das pralle Leben mag.

Maas kann seinen Zuhörern, zu denen Erwachsene wie Kinder gehören, aber auch ganz anders kommen. Zum Beispiel zart lyrisch, wenn es um mittelalterliche Minnegesänge geht. Oder als Unterhalter, wenn er zum Mitsingen animieren möchte. Oder auch in märchenhafter Verkleidung, wenn er eines seiner Kinderprogramme inszeniert. Er stecke sich zwar immer einen Rahmen, aber eigentlich laufe ein Nachmittag oder ein Abend nie so ab, wie er geplant sei, gesteht Maas. Dazu improvisiert er einfach zu gern. Eines aber ist sicher: Wenn Achim Maas die Szene betritt – egal ob im weitem kragenlosen Hemd und legerer Hose oder in märchenhafter Verkleidung – man fühlt sich sofort wohl in seiner Gegenwart und weiß, dass sein Auftritt fröhlich und unkonventionell wird. Kein Wunder, dass bei seinen Kinderveranstaltungen die jungen Zuhörer auch mal die Bühne stürmen und durch Zwischenrufe korrigieren, wenn er ein Märchen wissenschaftlich falsch interpretiert hat. „Die passen auf wie die Luchse“, sagt er lachend. Scheu haben sie jedenfalls vor ihm nicht und machen gern mit, wenn er sie zum Mitsingen oder Erzählen auffordert.

Bei den Erwachsenen hat es der Potsdamer Liedersänger nicht ganz so einfach. Die Spontanität ist verschüttet, gesungen wird heutzutage generell weniger, aber manchmal habe er Glück, da seien ein paar Chormitglieder unter den Zuschauern. Dann komme man leicht zueinander. Am Sonntag in der Heinrich-Heine-Kurklinik in Fahrland hatte er es allerdings besonders schwer. Der laue Abend hatte die Zuhörer nicht gerade in den Saal strömen lassen, die Anwesenden waren alles andere als flotte Mitsänger und auf den ausgeteilten Schlaginstrumenten wurden nur zögerlich die Musik untermalt. Doch Achim Maas lässt sich auch in solchen Situationen nicht bange machen und es dauert gar nicht lange, da folgt ihm das Publikum fröhlich durch die Jahrhunderte der Musik bis hin zu Reinhard Mey.

Mit Kindern arbeitet der zweifache Vater und vierfache Großvater schon sein Leben lang gern, als Musikpädagoge am Institut für Lehrerbildung vor der Wende, als Freischaffender, der von sich sagt: „Mit der Pappe in der Hand muggte er durchs ganze Land.“ Auch als Mitbegründer des soziokulturellen Vereins in Stahnsdorf war er für Kinder und Erwachsene da. Seit 1970 stellt er musikalische Programme für Behinderteneinrichtungen zusammen und er arbeitet auch heute noch mit mehrfach behinderten Kindern im Elisabeth-Weiske-Heim in Wansee. Halbtags.

Erstens ist man überall sparsam geworden und zweitens bleibt so Zeit für die „Muggen“, das Geldverdienen mit seinen Liedern und Spielabenden. Aber Maas liebt „seine Kinder“ und spricht mit Wärme davon, wie sich auch gerade den Behinderten durch die Musik die Welt erweitert, wie sie dadurch Zuneigung und Wärme spüren.

Anfang September wird Achim Maas 60 Jahre alt. Jung genug ist das, um gerade wieder an einem neuen Programm zu arbeiten. Es soll dem schlesischen Dichter des 17. Jahrhunderts Johann Christian Günther gewidmet werden. Noch etwa ein Jahr brauche er dafür. Man darf gespannt sein.

H. DITTFELD (PNN)

   


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